Kleine Fluchten

Die Wochen der Wiesn sind eine Gelegenheit für ruhige Ausflüge ins Umland, wenn man dem Trubel in München entgehen möchte. Eine Zeit um Neues zu entdecken und sein ganz persönliches Oktoberfest zu kreieren.

Wir alle gehen gerne auf die Theresienwiese, um mit Familie und Freunden einen Tag zwischen Kettenkarussell und gebrannten Mandeln zu verbringen. Die wechselnde Musik von Fahrgeschäft zu Fahrgeschäft und die bunte Menge aus aller Welt sind an sich schon einen Besuch wert. Dazu noch eine frische Maß und ein knuspriges Hendl machen diese Stunden perfekt. Doch gerade an den Wochenenden ist für Münchner das Oktoberfest doch eher ein Event, das man meiden möchte. Da bietet es sich an, über Ausflüge ins Oberland nachzudenken, zumal man in diesen vierzehn Tagen überall eher für sich sein und aufgeschlossenen Menschen begegnen kann, die den Blick auf Horizont und Berge dem Gedränge in den Bierzelten vorziehen. Auch zaubert das oft milde Wetter eine einzigartige Stimmung in die frühherbstliche Landschaft. Die Sonne wärmt tagsüber noch auf angenehme Weise, aber die Luft ist schon klarer und frischer als im Hochsommer. Ein ideales Klima um zu wandern und weite Blicke zu genießen. Die Münchner Biergärten gehören dann eher den Einheimischen, die sich den Menschenmengen auf der Wiesn entziehen wollen, ohne auf bayerische Gastlichkeit zu verzichten.

Will man ganz raus aus der Stadt, bieten sich noch einmal herbstliche Wanderungen an,

bevor die kälteren Wochen des Jahres beginnen.

Es müssen dabei keine hochalpinen Touren sein, sondern einfach etwas anspruchsvollere Spaziergänge, bei denen man neue Ansichten seiner Heimat gewinnen kann. Am besten ganz bequem im S-Bahn- oder Regionalbahn-Bereich. Einfach entschleunigen, das Auto stehenlassen und bereits bei der Anreise durch das Zugfenster Orte und Landschaften erkunden. Hier nur zwei Ausflugstipps aus der Unzahl der Möglichkeiten, die besonders stressfrei, aber in ihrer Naturkulisse sehr erlebenswert sind.

Am Westufer des Starnberger Sees befindet sich die Ilkahöhe

Von dort aus hat man einen malerischen Ausblick über den See bis zu den Alpen. Von Tutzing aus ist man in weniger als einer Stunde auf der Höhe angelangt. Daher lohnt es sich, vorher auch noch den Deixlfurter See zu besuchen, um die Wanderung etwas zu verlängern. Die Tour ist angenehm anspruchslos und damit auch für Familien geeignet. Man braucht für die 10 Kilometer lange Strecke etwa zweieinhalb Stunden. Genug Zeit, um bei einer mitgebrachten Brotzeit dort, wo man sich niederlassen möchte, die Landschaft zu genießen. Sehr beliebt ist auch der Jochberg. Eine schönere Aussicht gibt es wohl kaum. Denn der Jochberg liegt genau zwischen zwei Seen, dem Kochel- und Walchensee. Der Aufstieg gilt als einfach und familienfreundlich, und wenn man erstmal oben angekommen ist, lohnt sich die Wanderung allemal. Genau wegen dieser Aussicht auf die Umgebung ist es auch eine der beliebtesten Bergwanderungen im Münchner Umkreis.

Wenn man schon einmal in der Gegend ist,

sei noch auf eine wunderbare Ausstellung im Franz-Marc-Museum in Kochel hingewiesen.

Bis 6. Oktober stehen im Zentrum der Schau „100 Werke. Neuer Blick“ die wichtigsten Gemälde, darunter drei neuerworbene Werke von Franz Marc und wichtige Arbeiten auf Papier aus den drei Sammlungsbereichen „Blauer Reiter“, „Brücke-Expressionismus“ und „Nachkriegsabstraktion“. Darüber hinaus sind selten gezeigte Malerbücher und Mappenwerke sowie eine Präsentation zum Almanach „Blauer Reiter“ und zu den illustrierten Postkarten zu sehen. 

Aber wie überzeuge ich meine Kinder davon, auf Toboggan, Zuckerwatte und bunte Lichter zu verzichten?

Da müsste man schon eine andere spektakuläre Verführung bieten.

Wie eine aufregende Ausstellung im neu restaurierten Lokschuppen Rosenheim, der für seine spektakulären Inszenierungen berühmt ist. Ab dem 26. September beginnt dort eine Zeitreise in die Welt gigantischer Reptilien vergangener Ozeane. Auf 1.500 Quadratmetern zeigt die Ausstellung ihre urzeitliche Wasserwelt mit rund 200 hochkarätigen Original-Fossilien, Skeletten, Abgüssen und imponierenden 1:1-Modellen von Meeressauriern. Die Originale stammen u. a. aus renommierten Museen in Europa. Lebensrauminszenierungen mit bis zu zwölf Meter langen Sauriermodellen zeigen dreidimensionale Augenblicke aus einem Land vor unserer Zeit. Europas größtes digitales und erstes echtzeitrealisiertes „Paläoaquarium“ erzeugt auf über 50 projizierten Quadratmetern ein nachhaltig fühlbares Raumerlebnis. Sowohl die 3D-animierten „Hauptdarsteller“ als auch die 1:1-Modelle der Urreptilien wurden auf Basis neuester wissenschaftlicher Forschungsergebnisse eigens für das Ausstellungsprojekt von Paläontologen entwickelt.

Etwas weiter südlich bietet die Stadt Salzburg allen ein pittoreskes Volksfest, die nicht ganz auf Würstl und Karussells verzichten wollen

Vom 20. bis 24. September findet zu Ehren des Heiligen Ruperts auf den Plätzen rund um den Salzburger Dom der Rupertikirtag statt. Historische Fahrgeschäfte, Marktbuden mit regionalen Schmankerln und ein Bierzelt gehören zu den Höhepunkten des traditionellen Kirchweihfestes. Handwerksstände ermöglichen allerlei spannende Einblicke in Kunsthandwerk und Brauchtum. Die Kulisse inmitten der malerischen Salzburger Altstadt ist ein wundervoller Rahmen für dieses intime Fest, das auch für die Einheimischen ein wichtiges Highlight in dieser an Events so reichen Stadt ist.

Was wäre aber ein Aufenthalt in Salzburg ohne Mozart?

Seine Musik kann man auch außerhalb der Festpielzeiten in einem ganz besonderen Rahmen genießen. Auf der Festung Hohensalzburg erfährt man bei herrlichem Ausblick und Drei-Gänge-Menü das Festungskonzert mit den Klängen des Meisters. Das Salzburger Mozart-Ensemble und das Mozart-Kammerorchester Salzburg spielen in den schönsten Räumlichkeiten der Festung über den Dächern der Stadt, verbunden mit einem atemberaubenden und unüberbietbaren Ausblick auf die Mozartstadt und ihre Umgebung. Auch während der Oktoberfestzeit findet der stimmungsvolle Abend statt.

Für diese Kombination von Kultur und Kulinarik muss man aber nicht bis nach Österreich fahren. In Garmisch-Partenkirchen gibt es am 28. September eine ganz besondere Kombination dieser Art.

„Klangreich“, ein klassisches Kulinarium mit der Bayerischen Philharmonie ist eine Dinner-Show mit 3-Gänge-Menü, Sektempfang und freiem Eintritt in die Spielsäle der hiesigen Spielbank. Begleitet von Barockmusik kann man an diesem außergewöhnlichen Veranstaltungsort nicht nur hervorragende Küche erleben, sondern auch im Casino sein Glück versuchen. Eine etwas andere Art des Musikgenusses untermalt vom Klimpern der Jetons am Roulettetisch.

Für diesen Tag sieht der Veranstaltungskalender in Garmisch noch ein besonderes Schmankerl vor: Eine Zeitreise für Zug(spitz)fans.

Wer träumt nicht davon, das Rad der Geschichte mal kurz zurückzudrehen? Eine Fahrt mit den alten Bergloks der Bayerischen Zugspitzbahn weckt das Pioniergefühl der 1930er-Jahre! An ausgewählten Tagen – wie eben an diesem Samstag Ende September – wird den altgedienten Originalzügen aus der Gründungszeit der Zugspitzbahn neues Leben eingehaucht. Das historische Interieur mit rosshaargepolsterten Holzsitzen schafft ein besonderes Flair, während sich die Berglok verlässlich über die Zahnstange nach oben krallt. Kurz vor der Tunneleinfahrt am Riffelriss gibt es einen Fotostopp und nach insgesamt zwei Stunden Auffahrt zum Zugspitzplatt erwartet den Zeitreisenden im Gletscherrestaurant Sonnalpin ein Nostalgiebuffet mit bayerischer Note. Mit der Gletscherbahn geht es danach zum Gipfel auf 2.962 Meter Höhe mit dem atemberaubenden Alpenpanorama.

Alle Infos und Reservierungsmöglichkeiten zu diesen beiden Events unter:

gapa.de

In die Zeit des Oktoberfestes fällt auch der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober

Am Ammersee feiert man dies besonders stimmungsvoll mit dem Ammersee Promenadenmarkt, vor traumhafter Kulisse an der Herrschinger Seepromenade unter dem Motto: Kunst, Ideen und Kulinarium. Über 80 Künstler, Kunsthandwerker und Aussteller bieten modernes und traditionelles, außergewöhnliches und edles Kunsthandwerk an. Auch für die Kinder ist einiges geboten, wie z. B. eine beliebte Kindereisenbahn, Jurte oder – perfekt für den Herbst – Drachenbau-Workshops. Pause macht man im gemütlichen Biergarten mit königlich-bayerischem Bier vom Fass und erlesenen Weinen.

Noch näher am Münchner Süden liegt das Kleinod des Klosters Schäftlarn in idyllischer Lage im Isartal, das man auch bequem per Fahrrad erreichen kann.

Kaum einer kennt die dortigen Konzerte, die damit noch ein echter Geheimtipp sind. Dabei hat Benno Forster 1968 die Schäftlarner Konzerte ins Leben gerufen. 1972 war die Konzertreihe Teil des offiziellen Olympischen Kulturprogramms. Es spielen – gemeinsam mit renommierten Solisten – Instrumentalisten aus den drei großen Münchner Symphonieorchestern. Die Musiker des Bayerischen Staatsorchesters, der Münchner Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks bilden seit Jahren das traditionelle Orchester dieser Konzertreihe. Ein perfektes Ausflugsziel, um nach Besichtigung des Anwesens, in dem so bedeutende Künstler und Architekten wie Francois Cuvillies, Johann Michael Fischer, Johann Baptist Zimmermann und Baptist Straub ihr Können bewiesen haben, und einem gemütlichen Essen beim unweit gelegenen Brückenfischer oder dem Klosterbräu-Stüberl noch ein wunderbares Konzert zu besuchen. So am 21. September mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn.

Die Umgebung von München hat also unendlich viel zu bieten, wenn man die Wiesn meiden oder einfach nur Pause machen möchte vom schönsten und größten Volksfest der Welt. Kleine Fluchten aus dem Trubel, bei denen man seine Ruhe finden oder neue Impressionen gewinnen kann. Und nicht der Vogel-Jakob zwitschert einem in den Ohren, sondern echte Vögel, die der Landschaft eine eigene Melodie verleihen.