Die oide Wiesn

Zwischen Gaudi und Gemütlichkeit

Am 22. September ist es wieder soweit: Die ganze Welt schaut auf München, wenn es um Punkt 12 Uhr zum 185. Mal heißt: „O’zapft is’!“ Und in der ganzen Stadt herrscht bis zum 7. Oktober Ausnahmezustand.

Da gibt es die einheimischen Wiesn-Fans, die mindestens drei Mal die Woche hingehen und Party machen, die Familien, die am Wochenende oder – wenn möglich – am Familientag, wenn die Buden und Fahrgeschäfte ihre Preise senken, einen Ausflug mit Kind und Kegel machen – und natürlich die Besucher, die extra aus Australien, Neuseeland, Japan oder Italien anreisen, um das größte Volksfest der Welt zu besuchen.
 

Eines der wildesten Geschäfte in diesem Jahr ist sicher das Highspeed-Karussell „Techno Power“, bei dem der DJ an der Musiktheke mit den angesagtesten Hits und speziellem Soundsystem die Fahrgäste zusätzlich in einen Geschwindigkeitsrausch versetzt. Zu den neuen Fahrgeschäften gehört auch das „Parkour“, die Weiterentwicklung des legendären Fahrgeschäfts „Polyp“ – ebenso familiengerecht, nur viel wuider, wie man in Bayern sagt.

Eintritt: 3,- Euro, Kinder bis 14 Jahre frei. Mit den Einlassbändchen kann die Wiesn den ganzen Tag über betreten und verlassen werden.

Eintritt Fahrgeschäfte: 1 Euro
Öffnungszeiten: 10 - 22 Uhr
Kasse: 9.30 Uhr, letzter Einlass: 21 Uhr
Ausschank- und Musikende: 21.30 Uhr

Bierpreis: 10,60 - 10,70 Euro

Dienstags bis 19 Uhr

Weitere Informationen rund ums Oktoberfest, einschließlich der Oidn Wiesn, sind im Internet unter Oktoberfest.de und auf Muenchen.de zu finden.

Mit einem Pferderennen fing alles an

Diese historische Wiesn fand – zusätzlich – erstmals 2010 zum 200. Jubiläum auf dem Südteil der Theresienwiese statt und sollte an vergangene Zeiten erinnern. Es gab ein gemütliches, familienfreundliches Festzelt, ein interessantes Kulturprogramm, alte Karusselle und ein Pferderennen wie in den Anfangsjahren.

Denn ursprünglich war das Oktoberfest ja ein großes Pferderennen anlässlich der Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Jahr 1810, auf einer Wiese am Stadtrand(!) von München – daher der Name Theresienwiese.
Und da das Fest bei der Bevölkerung so gut ankam, waren sich alle einig, dass es auch künftig stattfinden soll. 1819 übernahmen die Münchner Stadtväter dann die Leitung. Immer mehr Buden und Karusselle kamen hinzu, was der Wiesn nach und nach zu ihrem Volksfestcharakter verhalf.

Allerdings gab es auch Jahre, in denen sie aufgrund von Kriegen oder Seuchen wie Pest und Cholera nicht stattfinden konnte. Aber es gab auch immer wieder etwas Besonderes zu feiern wie die Enthüllung der Bavaria-Statue (1850) oder die Eröffnung der ersten Hendlbraterei (1881).
Irgendwann kam elektrisches Licht dazu, und im späten 19. Jahrhundert ersetzten die Brauereien die kleinen Bierbuden durch große Bierzelte mit Musikkapellen.

Fast so wie anno dazumal

die „Oide Wiesn“

Doch zurück zur historischen Wiesn: Was als einmalige Veranstaltung zum 200. Jubiläum geplant war, findet aufgrund des großen Anklangs bei den Besuchern seit nunmehr neun Jahren statt. Gleich hinter dem Riesenrad hat man das Gefühl, hier ist die Zeit stehengeblieben. Alles geht ein wenig ruhiger und gemütlicher zu.
Es gibt zwar auch Spektakuläres wie das Original Motodrom von 1928, die älteste reisende Steilwand der Welt, an der tollkühne Fahrer auf ihren rasanten Maschinen waghalsige Kunststücke vollbringen, oder das Teufelsrad. Doch die meisten Fahrgeschäfte und Attraktionen sind eher weniger adrenalinfördernd, wie zum Beispiel das Calypso aus den Fünfzigern oder der Kettenflieger Kalb, in dem es eine Fahrt schon für einen Euro gibt.

Ja, auch die Preise sind hier auf historischem Niveau. Auch deshalb ist ein Besuch für Familien mit Kindern eine schöne Alternative. Die Kleineren können sich an den Wurfbuden im Weitwurf üben oder im historischen Kinderkarussell ihre Runden drehen. Bei diesen Preisen darf’s gerne auch eine Runde mehr sein …

Natürlich gibt's auch auf der „Oidn Wiesn“ Stände mit Naschereien, Kaffee und Kuchen, zwei Wurstbratereien und einen Sektausschank – und natürlich auch Zelte mit Musik, bayerischen Schmankerln und Bier.
Und auch hier wird getanzt! Im „Herzkasperl Festzelt“ kann man zu moderner Volksmusik auf einer großen Tanzfläche das Tanzbein schwingen. Das gilt genauso für das Festzelt Tradition, in dem zusätzlich traditionelle Darbietungen wie Goaßlschnalzen und Ähnliches stattfinden. Im Musikanten- und Volkssängerzelt Zur Schönheitskönigin dagegen steht der Gesang im Mittelpunkt. 

Wer's lieber ruhig angeht, ist im gemütlichen Weißbier- und Limogarten richtig. Im Museumszelt können Nostalgie-Fans historische Wiesn-Exponate begutachten, und im Außenbereich haben Kinder Spaß an alten Wiesn-Spielen wie Sacklaufen, Kegelschießen oder Hosenlaufen.

Wiesn & Tracht

Obwohl Dirndl und Lederhosen aktuell ein Megatrend sind und vor allem im südbayerischen Raum einen festen Platz im täglichen Leben gefunden haben, wird das Straßenbild in München während der Zeit des Oktoberfests komplett beherrscht von Trachtenkleidung jeglicher Couleur.
Auf der einen Seite kommen die Trachtler der Vereine aus dem bayerischen Oberland in ihren Originaltrachten, auf der anderen Seite sind edle Couture-Dirndl und maßgeschneiderte Lederhosen oder Trachtenjanker zu bewundern. Besonders was die Dirndl betrifft, ist die Spannbreite enorm: vom Mini-Dirndl mit Spitze oder Glitzer über schlichte Baumwolldirndl im Wäschermädelstil bis hin zu knöchellangen Samt- und Lodendirndln ist alles dabei.

Leider war der Wettergott dem Münchner Oktoberfest in den vergangenen Jahren nicht immer ganz wohlgesonnen und es gab so manche kühle Tage. Da ist es natürlich schade, sein wunderschönes Dirndl unter einer dicken Jacke verstecken zu müssen. So dachten auch zwei Schwestern aus München – und hatten die Idee, kuschelig-leichte Stricktücher im Trachtenlook, angelehnt an die klassische Trachtenstrickjacke, zu entwerfen. Aus 100 Prozent Merinowolle extrafein gefertigt, wärmen sie, lassen in frischen Farben Dekolletee und Taille optimal zur Geltung kommen und sind dabei so leicht, dass sie in (fast) jede Handtasche passen.

2013 gründeten die beiden Münchnerinnen ihr Label DreiTracht, ohne sich überhaupt Gedanken über einen Businessplan oder Ähnliches zu machen. Doch die Idee zündete – und mittlerweile sind ihre von Hand umhäkelten Tücher zu einem beliebten Strickaccessoire geworden.
Inzwischen bekommen die beiden Schwestern auch Bestellungen aus aller Welt. Eine pfiffige Idee spricht sich eben schnell herum.

Das Schöne an den Stricktüchern ist, dass sie das ganze Jahr über getragen werden können – und nicht nur zum Dirndl. Auch casual zur Lederjacke und Jeans sind sie durch die trendigen Farbkombinationen ein absoluter Eyecatcher. Die 320 Gramm leichten Tücher sind in elf Grundfarben erhältlich. Die von Hand gehäkelte zweifarbige Umfassung, die nach persönlichem Farbwunsch angefertigt werden kann, macht jedes Tuch zu einem Unikat.
Neu hinzugekommen sind im letzten Jahr Longschals, die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen, und Mützen (Trachtenbeanies), jede verziert mit einem echten Hirschhornknopf.

Die Farbauswahl und Kombinationen sowie verschiedene Looks und Drapierungsvorschläge sind auf der Website von DreiTracht zu finden. Die Bestellungen können per Mail oder telefonisch (unter 08021/506244) aufgegeben werden.


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